Monday, August 8. 2011
Gefahr erkannt - falsche Antwort geliefert
Sehr geehrter Minister Friedrich,
das Netz ist aus rein historischen Gründen dezentral, anarchisch, unkommerziell.... frei.
Was Sie nun bzgl. "Klartextnamen" in sozialen Netzwerken fordern, reiht sich in eine reaktive Politik ein, die in vielen Fällen nichts als eine reine Symptombehandlung darstellt.
Dazu möchte ich gerne einige Beispiele nennen und Denkanstöße geben.
Vor einigen Jahren bin ich bei meinem vorhergehenden Arbeitgeber auf kinderpornographisches Material übelster Sorte bei einem "Kunden" gestoßen.
Wir machten eine Anzeige beim LKA, was dort in erschreckend kurzer Zeitspanne als nicht ermittelbar abgetan wurde. Auf Druck eines Pressemitglieds wurde dann das BKA tätig, stellte weitere Ermittlungen aber auch nach einer Weile ein. Der Hintergrund: die Server der Betreiber standen irgendwo in Südamerika. Ermittlungsversuche hätten landesübergreifende Maßnahmen erfordert, die aufwändig und aufgrund wohl mangelnder Kooperationsverträge zwischen den Staaten schwierig gewesen wären. Man ging allerdings meiner Meinung nach sehr vorschnell von einem mangelnden Erfolg aus und, soweit man das beurteilen kann, gab es nicht einmal Hinweise an entsprechende Stellen des Landes.
Zeitgleich gab es die Vorstöße einer Frau von der Leyen, die Maßnahmen vorantreiben wollte, entsprechende Seiten durch eine Art "Stopschild" unsichtbar zu machen. Insbesondere in Informatikerkreisen schlägt man sich anhand solcher Beispiele nur die Hände vor den Kopf!
Anderes Beispiel: Als vor 2 Jahren nach den "Präsidentschaftswahlen" im Iran die Situation eskalierte, Menschen z.T. verfolgt und getötet wurden und das Netz vom iranischen Geheimdienst versucht wurde, kontrolliert zu werden, habe ich mich an einer Aktion beteiligt, die darin bestand, dass Serverbetreiber/Informatiker in aller Welt sich zusammentaten und ihre, teils privat finanzierten, Server zur Verfügung stellten, um diese als Proxy agieren zu lassen. Dadurch sollte eine verdeckte, vom iranischen Geheimdienst nicht kontrollierbare Kommunikation ermöglicht werden, so dass die Vorgänge im Iran dokumentiert werden konnten. Zeitgleich kam es bei uns zur Ideenentwicklung der Vorratsdatenspeicherung. Insbesondere dieses Beispiel bestärkt in mir und mit Sicherheit vielen anderen Menschen den Eindruck, dass das Netz niemals durch kommerzielle oder staatliche Stellen koordiniert oder gar kontrolliert werden darf.
Die Politik in Deutschland ist in den letzten Jahren so, dass auf Vorgänge, die z.T. im Ausland stattfinden, eine Antwort gesucht wird, die in keinem Verhältnis steht.
- Ein Jugendlicher läuft Amok: Computerspiele sind schuld -> auf die Idee generell Schusswaffen in privater Hand zu verbieten, kommt man nicht bzw. hält es für gefährlicher, dass diese in Schützenvereinen zentral gelagert werden. Mein Fazit wäre eher, dass dies dann ein anderes Problem ist. Dann darf es diesen Verein eben nicht geben. Punkt.
- Nicht Kinderpornos werden verfolgt, man versucht sie durch ein Stopschild zu verstecken.
- In Japan geht ein Atomkraftwerk hoch und bei uns werden welche aufgrunddessen abgeschaltet, nachdem man kurz vorher die Laufzeiten verlängern wollte.
Dies sind nur recht wenige Beispiele dafür, warum Ihre Politik immer unglaubwürdiger wird.
Aus meiner Sicht besteht ein völlig anderes Problem:
Unsere Polizei ist technisch, finanziell und vor allem personell überhaupt nicht in der Lage, bestimmten Dingen nachzugehen. Dies konnte ich mehrfach erfahren. Als ich vor einigen Jahren einmal als Zeuge bei der Kripo in Berlin war, fühlte ich mich angesichts der Gerätschaften dort eher wie in einem Computermuseum. Da kann der aktuelle Innenminister Maßnahmen fordern, wie er möchte....
Mit freundlichen Grüßen,
R. Rusch
das Netz ist aus rein historischen Gründen dezentral, anarchisch, unkommerziell.... frei.
Was Sie nun bzgl. "Klartextnamen" in sozialen Netzwerken fordern, reiht sich in eine reaktive Politik ein, die in vielen Fällen nichts als eine reine Symptombehandlung darstellt.
Dazu möchte ich gerne einige Beispiele nennen und Denkanstöße geben.
Vor einigen Jahren bin ich bei meinem vorhergehenden Arbeitgeber auf kinderpornographisches Material übelster Sorte bei einem "Kunden" gestoßen.
Wir machten eine Anzeige beim LKA, was dort in erschreckend kurzer Zeitspanne als nicht ermittelbar abgetan wurde. Auf Druck eines Pressemitglieds wurde dann das BKA tätig, stellte weitere Ermittlungen aber auch nach einer Weile ein. Der Hintergrund: die Server der Betreiber standen irgendwo in Südamerika. Ermittlungsversuche hätten landesübergreifende Maßnahmen erfordert, die aufwändig und aufgrund wohl mangelnder Kooperationsverträge zwischen den Staaten schwierig gewesen wären. Man ging allerdings meiner Meinung nach sehr vorschnell von einem mangelnden Erfolg aus und, soweit man das beurteilen kann, gab es nicht einmal Hinweise an entsprechende Stellen des Landes.
Zeitgleich gab es die Vorstöße einer Frau von der Leyen, die Maßnahmen vorantreiben wollte, entsprechende Seiten durch eine Art "Stopschild" unsichtbar zu machen. Insbesondere in Informatikerkreisen schlägt man sich anhand solcher Beispiele nur die Hände vor den Kopf!
Anderes Beispiel: Als vor 2 Jahren nach den "Präsidentschaftswahlen" im Iran die Situation eskalierte, Menschen z.T. verfolgt und getötet wurden und das Netz vom iranischen Geheimdienst versucht wurde, kontrolliert zu werden, habe ich mich an einer Aktion beteiligt, die darin bestand, dass Serverbetreiber/Informatiker in aller Welt sich zusammentaten und ihre, teils privat finanzierten, Server zur Verfügung stellten, um diese als Proxy agieren zu lassen. Dadurch sollte eine verdeckte, vom iranischen Geheimdienst nicht kontrollierbare Kommunikation ermöglicht werden, so dass die Vorgänge im Iran dokumentiert werden konnten. Zeitgleich kam es bei uns zur Ideenentwicklung der Vorratsdatenspeicherung. Insbesondere dieses Beispiel bestärkt in mir und mit Sicherheit vielen anderen Menschen den Eindruck, dass das Netz niemals durch kommerzielle oder staatliche Stellen koordiniert oder gar kontrolliert werden darf.
Die Politik in Deutschland ist in den letzten Jahren so, dass auf Vorgänge, die z.T. im Ausland stattfinden, eine Antwort gesucht wird, die in keinem Verhältnis steht.
- Ein Jugendlicher läuft Amok: Computerspiele sind schuld -> auf die Idee generell Schusswaffen in privater Hand zu verbieten, kommt man nicht bzw. hält es für gefährlicher, dass diese in Schützenvereinen zentral gelagert werden. Mein Fazit wäre eher, dass dies dann ein anderes Problem ist. Dann darf es diesen Verein eben nicht geben. Punkt.
- Nicht Kinderpornos werden verfolgt, man versucht sie durch ein Stopschild zu verstecken.
- In Japan geht ein Atomkraftwerk hoch und bei uns werden welche aufgrunddessen abgeschaltet, nachdem man kurz vorher die Laufzeiten verlängern wollte.
Dies sind nur recht wenige Beispiele dafür, warum Ihre Politik immer unglaubwürdiger wird.
Aus meiner Sicht besteht ein völlig anderes Problem:
Unsere Polizei ist technisch, finanziell und vor allem personell überhaupt nicht in der Lage, bestimmten Dingen nachzugehen. Dies konnte ich mehrfach erfahren. Als ich vor einigen Jahren einmal als Zeuge bei der Kripo in Berlin war, fühlte ich mich angesichts der Gerätschaften dort eher wie in einem Computermuseum. Da kann der aktuelle Innenminister Maßnahmen fordern, wie er möchte....
Mit freundlichen Grüßen,
R. Rusch







